Kino im Kopf: Wieso haben wir plötzlich Angst beim Tauchen?

Haende

Kino im Kopf: Wieso haben wir plötzlich Angst beim Tauchen?

Heute behandeln wir ein Thema, was schon viele erlebt haben und nicht gerne drüber sprechen mögen, überwiegend Frauen. Es ist das Unwohl-Fühlen unter Wasser, dies kann Angst und darauf folgend auch eine übersteigerte Angst und unkontrollierte Panik auslösen, die unbedingt vermieden werden sollte. Denn solche Situationen sind unter Wasser nur noch sehr schlecht wieder in den Griff zu bekommen.

Aber was ist da eigentlich los? Wo man sich doch so sehr auf den Tauchgang gefreut hat! Wieso empfinden wir Bedrohung, wenn tatsächlich keine besteht? Unsere Vorstellungskraft und Erinnerungen sind maßgebend für eine subjektive (selbst wahrgenommene) Empfindung. Angst ist eine lebenswichtige Empfindung, denn würden wir keine Angst verspüren, dann begäben wir uns andauernd in Lebensgefahr. D.h. Angst lässt uns auf gefährliche Situationen aufmerksam werden und stellt unsere Sinne darauf ein, vor einer bestimmten Situation z.B. zu flüchten oder in den Kampf zu treten.

Eine ganze Kettenreaktion wird ausgelöst, wenn nun eine scheinbare Bedrohung erfolgt. Das Gehirn und das zentrale Nervensystem bekommen ‚Achtung Gefahr‘ gemeldet. Die Angst wird im Gehirn über Hormone gesteuert, und zwar im Hypothalamus. Der Hypothalamus legt nun fest, ob wir uns in Acht nehmen sollten oder uns gemütlich und gelassen geben können. Wird also die Information ‚Bedrohung‘ hier abgegeben, dann heißt es für uns ‚überleben‘. Die nun gereizte Hirnanhangsdrüse Hypophyse stößt nun auch wiederum Hormone an, Botenstoffe werden freigesetzt und ab geht die Post.

Der Herzschlag steigt, der Blutdruck ebenso, der Speichelfluss versiegt, Magen-Darm-Trakt ist auf Sparflamme, denn die Muskulatur, die zum Flüchten oder Kämpfen gebraucht wird, wird nun besser durchblutet. Die Atmung wird schneller und tiefer, da sich die Bronchien erweitern und auch der Glukosespiegel im Blut erhöht sich, denn wir brauchen nun gut Luft und Power. Es kann nun leider auch zu einer Kurzschlusshandlung, sprich Panik, kommen. D.h. die Situation gerät außer Kontrolle, indem tatsächliche Gefahren nicht mehr wahrgenommen werden und wir reagieren völlig kopflos.

Aber vor was haben wir denn nun Angst, wobei wir das Tauchen doch so lieben?! Vor dem Ertrinken, vor der Dunkelheit, der Tiefe, vor Tieren, Angst nicht mit der Gruppe mithalten zu können, etc.? D.h. es wird Angst empfunden, wo es gar keinen realen Grund gibt. Und sie sind tatsächlich so groß, dass sie nicht bewältigt werden können … meint man.

Man sollte dies auf keinen Fall nach dem Tauchgang klein reden, sondern seinen Tauchpartner dazu informieren, denn dann kann viel mehr Rücksicht genommen werden und der nächste Tauchgang angepasst werden (nicht tief gehen, guten Blickkontakt haben, noch mehr Vertrauen aufbauen, etc.). Unter Wasser kann die betreffende Person sich beim Eintreffen einer solchen Situation sofort bemerkbar machen und den Partner informieren und der kann reagieren, bevor kopflose Panik ausbricht. Auch kann sie nach dem Wissen, dass sich meist alles nur im Kopf abspielt, gedanklich gegen gesteuert werden. Wenn alles nichts hilft und es zu einer ausgeprägten Angststörung kommt, dann sollte nicht mehr getaucht werden und sich einem Arzt anvertraut werden, der diese Blockade löst. So eine Angststörung kann auch nur mal temporär sein – wir kennen vor allem Frauen in den Häutungsjahren. 😉

So, das war es für heute – wir hoffen, ihr habt wieder mit Interesse gelesen.

Eure Zwei ?? Bini und Sanne, sowie Helle aka der Kapt’n Blaubär des Roten Meeres

unterwasserblog

 

Fotonachweis: Shutterstock 73212916 und James & Mac Diving Center

3 Kommentare zu "Kino im Kopf: Wieso haben wir plötzlich Angst beim Tauchen?"

Bin selber Trimix Instr. mit mehr als 4000 Tgs. Viele Taucher studieren zuviel unter Wasser anstatt den TG zu geniessen. Einfach abschalten…. Viele denken darüber nach Wieviel Wasser über einem ist. Sollte sowas passieren und der Taucher steigert sich in was rein, Körperkontakt und evtl. Kurz in den Sand und durchatmen hilft in den meisten Fällen. Und dann das ganze natürlich an der Of abarbeiten und noch einen TG draufsetzen.

Diese Situationen habe ich so bis zum 50 bis 60. Tauchgang öfters erlebt und wollte mehrmals ganz aufhören . Der Grund war, dass ich mir einredete mit den oft fremden Tauchpartnern nicht mithalten zu können und diese deshalb nur wegen mir früher als sie wollten auftauchen müssen. So wie bei Hanne haben einige Tauchgänge mit einem sehr einfühlsamen und geduldigen Giude gereicht und das “ Kopfkino „war weg. Zusätzlich hat sich danach auch mein Luftverbrauch enorm verringert.
Herzliche Grüße aus Oranienburg
Gerald

Ich war genau in so einer Situation, letztest mal, Anfang April.
Die ersten 3 Tauchgänge musste ich unterbrechen, weil ich nach
15 min. den Gefühl hatten, ich kriege nicht (genug) Luft!
Mir hat es SEHR geholfen, 6 Tauchgänge, mit eigenem guide nur
für mich, alleine zu sein. Hat mir Super geholfen und bin so froh, das ich das alles nicht
aufgeben brauchte, weil so weit war ich.
Grüße aus Dänemark
Hanne

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